Früher war die Parteienlandschaft eben und überschaubar – keine Gefahr, sich in ihr zu verlaufen. Es gab drei Parteien, die CDU, die SPD und die FDP – fertig. Der Rest kam zusammengezählt nicht über zwei Prozent. Die SPD waren die Guten, die FDP die Mittelguten und die CDU war für Leute ohne Herz aus Stein unwählbar. Lang ist’s her.
Die jungen Leute von heute fragen sich nun – wie konnte man die Parteien damals so praktisch unterscheiden. Heute sind alle irgendwie gleich und unterscheiden sich höchstens noch im Maß der dargebrachten Peinlichkeiten – und auch darin nur marginal. Die CDU macht SPD-Politik (Mindestlohn, Wehrdienstpflicht abgeschafft, Kernkraftwerke abgeschaltet, Homo-Ehe etc.) und die SPD macht die ganzen CDU-Sachen (Hartz IV, Spitzensteuern runter, Kriegsteilnahme, etc.). Die FDP macht irgendwie gar nix, außer halt an der Macht sein und das abnicken, was der jeweilige Koalitionspartner gerade entscheidet. Deshalb erkläre ich den jungen Leuten jetzt, was die Parteien einst ausmachte. Vielleicht auch für Frau Merkel ganz interessant zu wissen, was die CDU eigentlich mal sollte und wollte.
Die Parteien unterscheiden sich letztlich nur in einer Hinsicht – in ihrem Menschenbild.

SPD-Menschenbild:
Der Mensch ist von Natur aus gut, das System aber hat ihn schlecht gemacht. Das haben die von dem Rousseau abgeguckt – dem ersten SPDler aller Zeiten, auch wenn der Franzose ist und knapp hundert Jahre vor der SPD-Gründung gestorben ist.
Freiheit ist das A und O, dann klappt‘s auch mit den Menschen!

CDU-Menschenbild:
Der Mensch ist böse, aber mit einem funktionierenden System kann man ihn in Schach halten und halbwegs erträglich machen. Darum stehen die CDUler auch so auf Regeln und Gesetze – eine logische Fortführung der Zehn Gebote und des katholischen Katechismuses.
Freiheit ist verdächtig - lieber mal nicht zu viel davon.

FDP-Menschenbild:
Der Mensch ist weder böse noch gut, außer gut zum Geldvermehren. Wer das jedoch nicht macht, der ist böse und wird abschätzig von oben belächelt.
Freiheit ist für die Märkte da. Die für die Menschen ist sie nur dann gut, wenn sie sich rechnet.
Später kamen dann noch Die Grünen dazu. Eine Zwei-Themen-Partei (Umweltschutz und Frieden) mit extrem unelegant daher kommenden Protagonisten.

Grünen-Menschenbild:
Der Mensch ist extrem böse. Wenn er sich nicht radikal ändert, ist alles zu spät. Alles was nicht Mensch auf der Erde ist (Bäume, Tiere, Steine etc.) ist dagegen über jeden Zweifel erhaben. Natur = gut, Zivilisation = böse. Diese Selbstverachtung erklärt auch die hässlichen Kleider, mit dem die Grünen diesem Gefühl ästhetisch Ausdruck verliehen.
Freiheit führt zur Naturzerstörung! Schön wäre eine Öko-Diktatur – darf man aber nicht laut sagen.
Die Linke ist ein Spezialfall. Die wissen selber nicht so genau, was sie wollen. Die Ex-SEDler aus dem Osten wollen, dass die Menschen zusammenhalten, die Fundis aus dem Westen stehen mehr auf Zoff.

Linke-Menschenbild:
Das gleiche wie das der SPD bloß, dass CDUler schon Geburt an schlecht gewesen sind.
(Die Piraten sind in diesem Zusammenhang nicht weiter von Belang. Die suchen noch im Internet nach ihrem Menschenbild. Den Piraten geht es nicht um Lösungen, für sie ist nur interessant, wie diese gefunden wurde. Nicht besonders attraktiv für den Wähler. Piraten sind spätestens in zwei Jahren Geschichte.)
Ich hoffe, ich konnte etwas Farbe und Kontrast ins Parteiengrau bringen und der nächste Wahlentscheid findet mit mehr Durchblick statt.
Paule











